Ein VPN kostet immer etwas Geschwindigkeit.

Ihre Daten nehmen einen Umweg über einen zusätzlichen Server, und unterwegs werden sie verschlüsselt und wieder entschlüsselt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) formuliert es nüchtern: Durch eine VPN-Verbindung verringert sich technologiebedingt meist die Übertragungsgeschwindigkeit. Die interessante Frage ist deshalb nicht, ob ein VPN bremst, sondern wie stark, und woran es liegt, wenn es stärker bremst als nötig.

Die häufigsten Ursachen stehen in der Tabelle. Darunter folgen die Erklärungen und ein Verfahren, mit dem Sie feststellen, ob es am VPN oder an Ihrer Leitung liegt.

Was Sie beobachtenWahrscheinliche UrsacheErster Schritt
Alles reagiert trägeServer weit entferntServer im eigenen Land wählen
Abends langsam, morgens schnellServer oder Netz ausgelastetAnderen Server testen
Große Downloads brechen einPaketgröße passt nicht (MTU)MTU in der App niedriger einstellen
Im WLAN langsam, mobil normalFunkstrecke oder RouterMit LAN-Kabel gegenprüfen
Ab Monatsmitte langsamDatenvolumen aufgebrauchtTarif und Verbrauch prüfen
Auch ohne VPN langsamDie Leitung selbstNach Vorgabe der Bundesnetzagentur messen

Warum ist das VPN so langsam?

Ohne VPN läuft ein Datenpaket von Ihrem Gerät über den Router ins Netz Ihres Anbieters und von dort zur Website. Mit VPN kommt ein Zwischenstopp dazu: erst zum VPN-Server, dann zum Ziel, und auf demselben Weg zurück. Das BSI beschreibt diesen Weg als Tunnel: Am Eingang werden die Daten verpackt, am Ausgang wieder ausgepackt.

Dabei verschlechtern sich drei Dinge gleichzeitig: die Laufzeit, also die Zeit bis zur ersten Antwort, der Durchsatz in Megabit pro Sekunde und die Gleichmäßigkeit der Verbindung. Beim Surfen und in Videokonferenzen merken Sie vor allem die Laufzeit, beim Herunterladen großer Dateien vor allem den Durchsatz.

Entfernung zum Server

Die häufigste Einzelursache ist schlicht die Strecke. Microsoft rechnet in seiner Netzwerkdokumentation im Glasfasernetz mit einer Ausbreitungsgeschwindigkeit von rund 200 Kilometern pro Millisekunde und nennt dazu Beispielwerte: von New York nach London sind es 5.585 Kilometer und 56 Millisekunden Umlaufzeit, von New York nach Sydney 15.993 Kilometer und 160 Millisekunden. Das sind Luftlinien, die tatsächliche Leitung ist fast immer länger.

Für Ihre Strecke können Sie es selbst überschlagen: minimale Umlaufzeit = 2 x (Entfernung in Kilometern / 200). Wer von Deutschland aus einen Server in Australien wählt, verliert also schon aus physikalischen Gründen deutlich über hundert Millisekunden, bevor überhaupt verschlüsselt wird. Laut Microsoft bestimmt diese Umlaufzeit außerdem mit, welcher TCP-Durchsatz überhaupt erreichbar ist. Ein weit entfernter Server ist damit nicht nur beim Ping langsamer, sondern auch beim Laden.

Die praktische Regel: Nehmen Sie den nächstgelegenen Serverstandort, solange Sie nicht gezielt einen anderen brauchen.

Der Server ist überlastet

Ein VPN-Server teilt seine Anbindung mit allen, die gerade damit verbunden sind. Abends und am Wochenende sieht das anders aus als am Dienstagvormittag. Das Fachmagazin heise misst die Geschwindigkeit von VPN-Diensten deshalb zu verschiedenen Zeiten, weil an Wochenenden eine andere Netzauslastung herrschen kann als an Werk- oder Feiertagen.

So prüfen Sie es: Messen Sie zweimal auf demselben Server im Abstand von einigen Stunden. Bleibt das Ergebnis schlecht, wechseln Sie zu einem anderen Server am gleichen Ort. Wird es dort deutlich besser, lag es am Knoten und nicht an Ihrer Leitung.

Protokoll und Verschlüsselung

Die Verschlüsselung selbst kostet Rechenzeit, auf aktuellen Handys und Rechnern ist sie aber selten der Engpass. Spürbar wird sie auf schwacher Hardware, etwa wenn ein älterer Router das VPN für das ganze Heimnetz aufbaut.

Wichtiger ist, welches Protokoll die App benutzt und ob es über UDP oder TCP läuft. Welche Kombination bei Ihnen schneller ist, hängt von Gerät, Netz und Server ab; allgemein lässt sich das nicht beantworten. Wenn Ihre App mehrere Protokolle anbietet, probieren Sie sie der Reihe nach durch und messen Sie jedes Mal, statt nach Gefühl zu entscheiden.

WLAN, LAN oder mobile Daten

Sehr oft liegt das Problem gar nicht im Tunnel, sondern auf den letzten Metern. Die Bundesnetzagentur lässt für ihr Nachweisverfahren im Festnetz ausschließlich Messungen über ein LAN-Kabel zu und begründet das mit Störeinflüssen durch benachbarte WLAN-Netze und weitere Netzelemente. Sie empfiehlt außerdem, das WLAN am Router abzuschalten und andere Geräte vom Router zu trennen, damit nicht parallel ein Smart-TV streamt.

Das gilt sinngemäß auch für Ihren eigenen Vergleich: Ein VPN, das im WLAN langsam wirkt, ist am Kabel oft unauffällig. Im Mobilfunk schwankt die Geschwindigkeit zusätzlich mit dem Empfang und mit der Auslastung der Funkzelle. Wie Sie Verbrauch und Drosselung am Handy prüfen, steht in Mobile Daten: Was ist das und was kosten sie?

MTU: wenn die Pakete nicht mehr passen

Die Maximum Transmission Unit, kurz MTU, ist die größte Datenmenge, die eine Netzwerkschnittstelle am Stück verschickt. Auf den meisten Geräten weltweit liegt sie bei 1.500 Byte. Ein VPN legt um jedes Paket zusätzliche Kopfdaten; damit das Paket nicht über die MTU hinauswächst, muss die Nutzlast im Inneren entsprechend kleiner werden. Passt es trotzdem nicht, wird es zerlegt oder unterwegs verworfen.

Normalerweise findet der Rechner die passende Größe selbst über Path MTU Discovery. Blockiert aber eine Firewall auf dem Weg die dafür nötige ICMP-Meldung, erfährt der Absender nie, dass seine Pakete zu groß sind, und schickt sie immer wieder neu. Microsoft beschreibt genau diesen Fall und empfiehlt für Verbindungen mit Kapselung kleinere Werte: in Azure ein TCP-MSS-Clamping auf 1.350 Byte und eine MTU der Tunnelschnittstelle von 1.400 Byte.

Das passiert auch in der Praxis: heise maß Ende August 2026 bei CyberGhost an Vodafone-Kabelanschlüssen Downloads von teilweise unter 8 Mbit/s. Entschärfen ließ sich das, indem die MTU-Einstellung im Client von „Standard“ auf „Klein“ gestellt wurde.

Typisches Muster: Kleine Seiten laden normal, große Downloads und Videos brechen ein oder bleiben hängen. Wenn Ihre App eine MTU-Einstellung hat, stellen Sie sie eine Stufe niedriger und messen Sie erneut.

Drosselung durch den Anbieter

Hier sind zwei Dinge zu unterscheiden.

Vertragliche Drosselung nach Datenvolumen. Ist das im Tarif enthaltene Volumen aufgebraucht, gilt eine reduzierte Datenübertragungsrate. Die Bundesnetzagentur führt diesen Punkt eigens auf: Vor einer Messung sollten Sie prüfen, ob überhaupt noch Volumen übrig ist. Am VPN liegt es dann nicht, es zeigt nur, was die Leitung noch hergibt.

Verkehrsmanagement. Nach der europäischen Verordnung zur Netzneutralität müssen Anbieter den Datenverkehr grundsätzlich gleich behandeln. Angemessene Maßnahmen des Verkehrsmanagements sind nur zur Sicherung der Dienstqualität und der Netzsicherheit zulässig, müssen transparent, nichtdiskriminierend und verhältnismäßig sein und dürfen nicht aus kommerziellen Interessen erfolgen. Die Bundesnetzagentur überwacht das seit 2016 und hat in diesem Rahmen die Zero-Rating-Angebote „StreamOn“ der Telekom und „Vodafone Pass“ untersagt.

Für die Praxis heißt das: Im Tunnel ist von außen nicht erkennbar, welcher Dienst gerade läuft; eine dienstbezogene Maßnahme läuft dort deshalb oft ins Leere. Eine Begrenzung für den gesamten Anschluss wirkt dagegen weiter, mit VPN wie ohne. In fremden Netzen, etwa im Hotel oder in der Firma, kann zusätzlich das Netz selbst VPN-Verkehr bremsen oder sperren.

Liegt es am VPN oder an der Leitung?

Der Vergleich ist einfach, wenn Sie beide Messungen unter gleichen Bedingungen durchführen.

  1. Ohne VPN messen. VPN ausschalten, andere Geräte ruhig halten, möglichst per LAN-Kabel messen.
  2. Mit VPN messen. Direkt danach, gleicher Rechner, gleiche Verkabelung, nächstgelegener Serverstandort.
  3. Wiederholen. Drei Durchgänge zu verschiedenen Tageszeiten, sonst messen Sie nur Zufallswerte.
  4. Vergleichen. Fällt der Wert mit VPN deutlich ab, suchen Sie die Ursache in den Abschnitten oben. Ist schon der Wert ohne VPN niedrig, liegt es an Ihrem Anschluss; die Schritte dafür stehen in Warum ist mein Internet langsam? Die Checkliste

Für den zweiten Fall gibt es ein festes Verfahren. Die Bundesnetzagentur stellt für das Festnetz die Breitbandmessung Desktop-App bereit: 30 Messungen an drei Kalendertagen. Eine erhebliche Abweichung liegt unter anderem vor, wenn nicht an mindestens zwei von drei Messtagen jeweils mindestens einmal 90 Prozent der vertraglich vereinbarten maximalen Geschwindigkeit erreicht werden. Im Mobilfunk gelten seit dem 20. April 2026 eigene Regeln mit Schwellen von 25, 15 oder 10 Prozent je nach Haushaltsdichte. Weicht die Leistung erheblich ab, haben Sie gegenüber Ihrem Anbieter ein Minderungs- oder Sonderkündigungsrecht, müssen dafür aber das Messprotokoll vorlegen.

Wichtig: Für dieses Nachweisverfahren muss das VPN aus sein. Die Bundesnetzagentur weist ausdrücklich darauf hin, Anwendungen zu beenden, die den Verkehr über den Anbieter hinaus in ein weiteres Netz leiten, also Firmen-VPNs, private Heimnetze, Freifunk oder Tor.

Für den schnellen Vergleich zwischendurch reicht unser Speedtest (auf Englisch). Ob wirklich der gesamte Verkehr durch den Tunnel läuft, zeigt der VPN-Test (auf Englisch).

Warum ein VPN nutzen, wenn es bremst?

Weil der Verlust an Geschwindigkeit in vielen Situationen kaum stört, der Gewinn an Privatsphäre aber bleibt. Ein VPN ist vor allem sinnvoll in fremden WLANs, auf Reisen und wenn Websites Ihren Standort nicht über die IP-Adresse erkennen sollen. Wenn Sie ohnehin nur eine Leitung mit 50 Mbit/s haben und Videos in HD schauen, merken Sie bei einem gut gewählten Server oft keinen Unterschied. Wer dagegen mit 1.000 Mbit/s große Dateien überträgt, sieht den Unterschied sofort.

Warum das VPN ausschalten?

Es gibt Momente, in denen das sinnvoll ist:

  • Beim Messen der eigenen Leitung, wie oben beschrieben.
  • Bei Geräten im Heimnetz, etwa Drucker oder Netzwerkspeicher, wenn diese im Tunnel nicht erreichbar sind. Besser als das Abschalten ist Split-Tunneling: Kill Switch und Split Tunneling
  • Bei Diensten, die Zugriffe aus dem Ausland ablehnen, zum Beispiel manche Banking- und Behördenanwendungen.

Im öffentlichen WLAN sollten Sie es dagegen eingeschaltet lassen. Wenn die Verbindung nicht langsam ist, sondern gar nicht zustande kommt, hilft VPN funktioniert nicht: Ursachen und Lösungen

404 VPN

404 VPN nutzt das Protokoll VLESS. Wie schnell eine Verbindung ist, hängt von der Strecke und vom einzelnen Knoten ab; feste Geschwindigkeiten versprechen wir nicht. Der kostenlose Tarif bietet 2 GB pro Tag, ohne Kreditkarte, nach Anlegen eines Kontos per E-Mail oder Telegram; Apps gibt es für Android und macOS. Mehr auf der Startseite.